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Sorge um Arbeit treibt 500 Beschäftigte vor Werfttor (26.09.2009 | 16:23) Aus Sorge um ihre Arbeitsplätze und um einen gerechten Lohn hatten sich gestern rund 500 Mitarbeiter vor dem Werfttor in Wismar versammelt. Weitere 500 demonstrierten in Warnemünde. Wismar Zu Fuß, mit dem Auto und mit dem Fahrrad. Wie zu besten Werfttagen strömten gestern früh mehrere hundert Frauen und Männer zum Haupteingang. Die IG Metall hatte kurzfristig zu einer Mitgliederversammlung unter freiem Himmel eingeladen, um für die Beibehaltung des Flächentarifvertrages zu demonstrieren. Die ehemaligen Wadan-Beschäftigten, die sich derzeit in der Transfergesellschaft befinden, sind derweil hin- und hergerissen. Einerseits fordern sie tarifliche Bezahlung, andererseits neigt die Mehrheit dazu, angebotene Verträge anzunehmen. „Wenn der Vertrag einigermaßen akzeptabel ist, nehme ich ihn an. Natürlich sind einige Dinge eine Sauerei, aber ich habe doch keine Wahl. Ich arbeite 24 Jahre auf der Werft und möchte gerne hier weiterarbeiten“, sagte Schiffbauer Folko Manthey (41) nach dem Ende der Versammlung. Die IG Metall weiß um den schwierigen Spagat. Lange habe man überlegt, so IG Metall-Vertreter Thomas Rickers, ob man abrate, die Arbeitsverträge zu unterschreiben. „Ich glaube aber nicht, dass das der richtige Weg ist. Viele von euch sind auf die Arbeit angewiesen und haben gar keine Wahl, als nach diesem Strohhalm zu greifen. Ich möchte euch dringend empfehlen, wenn euch Arbeitsverträge angeboten werden, prüft das, überlegt das und wenn ihr für euch zu dem Ergebnis kommt, diese Arbeit anzunehmen, dann nehmt sie an.“ Auf der anderen Seite kündigte Rickers an, dass „wir uns nicht teilen lassen. Man kann Tarifverträge durch Einzelverträge nicht unterlaufen“. Er erneuerte die Forderung, dass Nordic Yards dem Arbeitgeberverband beitritt und den Flächentarifvertrag anerkennt. An die Adresse von Werfteigentümer Witalij Jussufow sagte Rickers: „Der neue Investor scheint an einem sozialen Konsens auf der Werft nicht interessiert zu sein. Wer mit uns diesen Konflikt sucht, der wird diesen Konflikt auch bekommen. Wir werden nicht ruhen, bis diese Werft wieder unter tariflichen Bedingungen arbeitet. Die Menschen eiskalt erpressen, kann nicht der richtige Weg sein.“ Von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) erwartet die Gewerkschaft eine klare Erklärung dazu, „ob die Arbeit auf den Werften zu tariflichen Bedingungen erfolgen soll oder nicht“. Mit markigen Worten kritisierte Rickers: „Hier wird die Not der Menschen, die dieses Desaster mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes teuer bezahlt haben, schamlos und sittenwidrig ausgenutzt. Hier werden jetzt solche Arbeitsverträge ausgeteilt nach dem Motto ,Vogel friss oder stirb‘. Du bist eine arme Sau, du bist ja auf Arbeit angewiesen. Du kannst unten rechts unterschreiben oder du bleibst eben weg. Das ist die brutale Erpressung, bei der mit eurer Zukunftsangst gespielt wird.“ Der Wismarer Betriebsrat Ronald Zier berichtete den gespannt zuhörenden Kollegen vom Gespräch am vergangenen Dienstag mit den Anwälten von Jussufow, die mit Eiseskälte vorgetragen hätten, dass die viel zu hohen Löhne die Insolvenz verschuldet hätten und daher dort der Hebel angesetzt werde. Noch vor wenigen Monaten sei die Werft der Maybach an der Ostseeküste mit den besten Arbeitern Europas gewesen, „jetzt auf einmal sind wir der klapprige Lada von Russland, die, die zu hoch bezahlt werden, die, die keine Leistung bringen“, entrüstete sich Zier. Viele Jahre seien die Beschäftigten loyal zum Unternehmen gewesen, hätten auf 120 Millionen Euro aus tariflichen Leistungen verzichtet. Und jetzt das. Zier und Rickers betonten, dass man zu Geständnissen bereit sei. Doch weniger Urlaub und die Erhöhung von 38 auf 40 Wochenstunden in der Woche bedeuteten unterm Strich weniger Jobs. Letztlich sollen die Schiffbauer für den neuen Job 25 Prozent weniger Entlohnung (Urlaubs- und Weihnachtsgeld, weniger Urlaub, längere Arbeitszeit) bekommen. Nach OZ-Informationen sind seit Anfang der Woche 21 Beschäftigte aus den Bereichen Planung, Konstruktion, Einkauf, Meister im Besitz eines neuen Vertrages. 44 oder 51 Mitarbeitern, die genaue Zahl blieb gestern unklar, wurde am Donnerstag ein Vertrag angeboten. Sie sollen am Montag mit der Arbeit beginnen. Eine Woche später sollen die ersten Arbeiter aus der Fertigung hinzukommen. HEIKO HOFFMANN Link: http://www.igmetall-mv.de/rostock/fotoarchiv/30/1.htm