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Mehr Lohn oder Streik (26.09.2009 | 17:31) Rund 1000 Werftarbeiter beteiligten sich gestern an Protestkundgebungen in Warnemünde und Wismar. Die Gewerkschafter werfen dem neuen Eigner Lohndumping vor und drohen mit Streik. Warnemünde/Wismar (OZ/ddp) - Schwere Geschütze gestern vor dem Tor der ehemaligen Wadan-Werft in Warnemünde: IG Metall-Gewerkschafter Rüdiger Klein stellte vor rund 500 Werftarbeitern den Anwälten des neuen Eigners Vitaly Jussufow ein Ultimatum bis Ende nächster Woche, den Arbeitern bessere Konditionen anzubieten. Sonst sehe er „unkalkulierbare Risiken“ in Bezug auf Qualität und Einhaltung des Abgabetermins beim Bau der Fähren für die schwedische Stena Reederei. Was nichts anderes heißt als: Streik! Auch in Wismar hatten sich gestern rund 500 Mitarbeiter vor dem Werfttor versammelt. Während viele der Schiffbauer nicht wissen, ob sie überhaupt eine Perspektive auf den in Nordic Yards umbenannten Werften haben, kritisierten Gewerkschafter, dass Jussufow Löhne weit unter dem Flächentarifvertrag zahlen will. So sollen die Schiffbauer für den neuen Job bei längerer Wochenarbeitszeit auf 25 Prozent Entlohnung, auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Urlaubstage verzichten. Einige Dutzend der früheren 2500 Wadan-Beschäftigten haben laut Betriebsräten diese Arbeitsverträge erhalten — ihnen stelle sich nun die Frage: Unterschreiben oder kämpfen? Klein riet den in Rostock versammelten Kollegen, erst einmal nicht zu unterschreiben. Er halte die Konditionen für „sittenwidrig“. Das sehen offenbar nicht alle Kollegen so. „Ich befürchte, dass viele die Verträge unterschreiben werden“, sagte der Warnemünder Betriebsrat Harald Ruschel. Vielen sei der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Den neuen Eignern wirft Ruschel vor, die schwierige Situation auszunutzen. „Es wird mit der Not der Kollegen gespielt. Das ist nicht fair.“ Auch die Wismarer Betriebsrätin Ines Scheel glaubt, dass das Bedürfnis nach Sicherheit bei den Kollegen größer ist als der Kampfesmut. Die ersten Werftleute hätten den Verträgen schon zugestimmt. „Ich gehe davon aus, dass jeder unterschreiben wird.“ Sie glaube, dass es kein zweites Angebot der Eigner geben werde. Die Arbeit an den Fähren für Stena soll ungeachtet des Streits in der kommenden Woche mit je etwa 60 Beschäftigten in Wismar und Warnemünde wieder aufgenommen werden. In den kommenden Monaten soll die Zahl an beiden Standorten auf rund 800 erhöht werden. Was mit den anderen knapp 1500 ehemaligen Wadan-Mitarbeitern passiert, ist noch unklar. Die Arbeitnehmervertreter wollen sich dafür einsetzen, dass die Leistungen der Transfergesellschaften auf zwölf Monate verlängert werden. Auch die Linkspartei hat Jussufow zu Nachbesserungen für die Mitarbeiter der neuen Nordic Yards aufgerufen. Derweil schlagen auch bei den Nordseewerken in Emden die Wogen des Protestes hoch: 3000 Menschen zogen gestern durch die Stadt. Forderung: Die über hundertjährige Werften-Tradition dürfe nicht einfach so enden. A. BÜSSEM/K. SCHÜLER Link: http://www.igmetall-mv.de/rostock/fotoarchiv/30/1.htm