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Nach Monaten wieder Aus- und Eindocken in Wismar (03.11.2009 | 15:45) Wismar Es war gegen 18 Uhr, als gestern bei Dunkelheit der Schleppzug mit dem etwa 130 Meter langen Vorschiff der zweiten Ropax-Fähre die Wendorfer Seebrücke passierte und wenig später den Wismarer Werfthafen erreichte. Drei Schlepper gaben Assistenz, als das am Warnemünder Werftstandort gefertigte Teilschiff seinen weiteren Weg fortsetzte: direkt in die hell erleuchtete Dockhalle. Dort wird es mit der in Wismar vorgefertigten, zweiten Schiffshälfte zur 240 Meter langen kombinierten Fracht- und Passagierfähre so schnell wie möglich zusammengefügt. Denn auch dieser Abgabetermin, er ist für Ende August 2010 geplant, fordert von den derzeit etwa 600 bis 700 Beschäftigten, die direkt an den Schiffen arbeiten, und einigen hundert Mitarbeitern von Fremdfirmen Höchstleistungen in dieser ganz „heißen Schiffbauphase“, wie es aus Fachkreisen heißt. Das ist in der Tat eine große Herausforderung. Denn bereits vier Monate früher, Ende April 2010, soll die erste Ropax-Fähre abgeliefert werden. Dessen ist sich auch Fertigungsleiter Erwin Schröder bewusst. „Die Belegschaft ist gewillt, das zu schaffen“, erklärte er bereits am 1. Oktober gegenüber der OZ. Denn das war genau der Tag, als in der Werft nach der Zwangspause, zumindest für die Fertigstellung der beiden Fähren für die schwedische Reederei Stena, der erste Arbeitstag begann. Während der Oktober noch vom Hochfahren der Produktion gekennzeichnet war, sieht Erwin Schröder den November als den Monat, wo wieder „richtig Dampf gemacht wird.“ Die erste Fähre liegt nach dem Ausdocken am Sonntag an der Ausrüstungspier. Insgesamt vier Schlepper nahmen die noch antriebslose und künftig weltgrößte Kombifähre kurz vor 11 Uhr an die Schleppleinen und drückten sie wegen des ablandigen Windes zusätzlich ganz sanft an die Kaikante. An Bord geht der Innenausbau weiter voran. So werden unter anderem in den nächsten Tagen die letzten der insgesamt 623 Kabinenmodule in die Decks geschoben. Auch auf der Kommandobrücke laufen die Arbeiten zur Installation der Technik auf Hochtouren. Deshalb musste das Nautikerteam während der kurzen Manöverfahrt statt in der Navigationszentrale über dessen Deck im Freien die Kommandos für Schlepper und Festmacher erteilen. Ganz unten, im Herz des Schiffes, drehen sich bereits die Hilfsdiesel für die Energieerzeugung. Dass sich an den beiden Werftstandorten von Nordic Yards in Wismar und Warnemünde insgesamt noch viel mehr bewegt und zwar langfristig, das wünschen sich nicht nur diejenigen, die seit dem 1. Oktober einen Job erhalten haben. Denn für den Rest der einst 2400 Mitarbeiter, von denen die große Masse noch auf eine Wiedereinstellung wartet, ist das Thema Insolvenz und ihre Auswirkungen weiterhin in bedrückender Weise allgegenwärtig. Kommt der neue Geschäftsführer Witalij Jussufow nicht bald mit konkreten Anschlussaufträgen, kehrt nach der Ablieferung der letzten Ropax-Fähre wieder Werft-Stillstand ein. Denn nur neue und zukunftsweisende Schiffbauprojekte und Aufträge im Bereich der Offshore-Technik sichern auch ein dauerhaftes Überleben im traditionsreichen Schiffbau an der Warnow und an der Wismarbucht. HANS-JOACHIM ZEIGERT