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Daumenschrauben - Land setzt Nordic-Eigner Jussufow unter Druck (05.02.2010 | 01:11) Seit Monaten nichts Neues bei Nordic: Werft-Eigentümer Witalij Jussufow verkündet in schöner Regelmäßigkeit, der Abschluss von Schiffbauaufträgen stehe unmittelbar bevor. Es könne sich nur noch um ein bis zwei Wochen handeln. Dumm nur, dass der smarte, frühere Gazprom-Manager genau dies schon seit der Übernahme der Wadan-Werften im vergangenen Sommer herunterbetet. Spötter behaupten, den 29-jährigen Jussufow unterscheide inzwischen nur noch eines von seinem unbeliebten Vorgänger und Landsmann Andrej Burlakow: geschliffenes Deutsch und anständige Manieren. Doch Spott hilft den Werftarbeitern ebenso wenig weiter wie eloquente Vertröstungen und vollmundige Ankündigungen. Ihnen steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Ende März droht der breiten Mehrzahl nach Auslaufen der Transfergesellschaften der bittere Gang zum Arbeitsamt. Die Landesregierung sieht sich in der Mitverantwortung. Und deshalb greift sie jetzt zum einzigen Mittel, das ihr noch bleibt: Sie legt Jussufow die Daumenschrauben an. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) machten gestern erstmals unmissverständlich klar, dass ihre Geduld mit Jussufow nur noch streng limitiert ist. Die Regierungsspitze formulierte Forderungen und Ansagen. Erstens: Der russische Jungunternehmer soll endlich für Aufträge sorgen. Zweitens: Er muss seiner Verpflichtung nachkommen, die zugesagten 1200 Arbeitsplätze zu schaffen. Drittens: Er selbst steht als privater Eigentümer und Unternehmer in der Verantwortung, seine Schiffbaufinanzierungen abzusichern — nicht das Land. Weitere Hilfe von Schwerin kann Jussufow nur erwarten, wenn er seine Hausaufgaben macht. Für den Fall, dass auch dies nicht fruchten sollte, haben Sellering und Seidel bereits Vorkehrungen getroffen. Zumindest in Warnemünde stehen gleich mehrere Investoren bereit, auf dem ehemaligen Wadan-Gelände Jobs und damit neue Hoffnung für Schweißer und Schiffselektriker zu schaffen. Zu den Interessenten zählen sogar die Brückenbauer der Fehmarnbelt-Querung. Auch wenn ihre 1000 Stellen auf sechs Jahre begrenzt sein sollten, könnten sie bei aller Tristesse doch einen Anfang markieren. In Warnemünde sieht die Lage seit gestern nicht mehr ganz so düster aus. Jussufow muss sich bewegen! Von JÖRG KÖPKE