Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie hoffen die Unternehmer auf die Kompromissbereitschaft der Gewerkschaft. Hamburg (OZ) Zur ihrer vierten Verhandlungsrunde im aktuellen Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie treffen sich heute in Hamburg Vertreter der Industriegewerkschaft (IG) Metall Küste und des so genannten Nordverbundes, einer Tarifgemeinschaft der Arbeitgeberverbände Nordmetall, Metall Unterweser und Nord-West-Metall. Scheitert die Runde, droht der Metall- und Elektroindustrie an der Küste ein Streik. OZ sprach mit Dr. Thomas Klischan, dem Hauptgeschäftführer von Nordmetall.
OZ: Wie groß ist die Hoffnung auf eine Einigung heute?
Klischan: Die IG Metall hat sich von ihrer Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn bisher noch keinen Deut bewegt. Bewegung heißt in diesem Fall in Richtung eines Kompromisses. Die Gewerkschaft muss ihre Forderung nach unten schrauben. Ich hoffe sehr – das Tarifgeschäft hat immer auch mit Hoffnung zu tun – , dass sich die IG Metall nach unserem Angebot ebenfalls etwas bewegen wird.
OZ: Wie sieht das aktuelle Angebot der Arbeitgeber aus?
Klischan: Nach dem ersten Angebot in den anderen Tarifgebieten vor Ostern liegen wir bei 1,8 Prozent Lohnerhöhung im ersten Jahr. Das setzt sich zusammen aus 1,2 Prozent Plus, die in die grundsätzliche Tarifstruktur einfließen und weiteren 0,6 Prozent mehr Entgelt, die monatlich gezahlt werden und entsprechend der wirtschaftlichen Lage in den Unternehmen betriebsintern geregelt und nach unten korrigiert werden können. Nach diesem Modell kann es also möglich sein, dass Betrieb A 1,8 Prozent mehr zahlt und Betrieb B nur 1,5 Prozent, weil dieser im Moment eine Auftragsflaute erlebt. Wir wollen in den Flächentarif damit mehr Optionen für die betrieblichen Bedürfnisse einbauen.
OZ: Muss sich heute aber die Arbeitgeberseite nicht noch ein Stück weiter bewegen. Im Branchenverband Gesamtmetall wird im Zusammenhang mit den Verhandlungen in den bundesweit 16 Metall-Tarifbezirken gar eine Zwei vor dem Komma nicht mehr ausgeschlossen.
Klischan: Die Unternehmen werden nur einen Abschluss akzeptieren mit einem flexiblen Anteil im Entgelt, der von der konjunkturellen Lage in den Betrieben abhängig ist.
OZ: In der Metall- und Elektrobranche geht es wirtschaftlich seit geraumer Zeit bergauf. Können Sie angesichts dessen die Fünf-Prozent-Forderung der Gewerkschaft verstehen? Zumal in Mecklenburg-Vorpommern die Arbeiter zum Beispiel auf den Seewerften seit Jahren unter anderem auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten.
Klischan: Die fünf Prozent halte ich für eine überzogene Forderung. Es ist nicht gut, solche Erwartungen bei den Arbeitnehmern zu schüren. Die relativ gute Auftragssituation derzeit auf den Ostwerften ist von befristeter Dauer. Es kommen auch wieder weniger rosige Zeiten. Dafür müssen sich die Betriebe wappnen mit Investitionen in zukunftsorientierte Bereiche und in Innovationen. Die Sicherung der bestehenden Arbeitsplätze sollte auch im Interesse der IG Metall in den tariflichen Auseinandersetzungen vorrangig bleiben.
OZ: Welche Konsequenzen hätte ein von der IG Metall angedrohter Streik?
Klischan: Ein Streik wäre mit Sicherheit katastrophal und ein falsches Signal für den Standort Deutschland. Tarifpartner sollen in der Sache hart verhandeln, aber nicht mit der Keule. Diese trifft im Endeffekt die Arbeitnehmer selbst.
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