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Neuanfang auf den Werften in Wismar und Warnemünde - Gewinner und Verlierer
19.08.2009 | 09:17 Uhr
Neuanfang auf den Werften in Wismar und Warnemünde - Gewinner und VerliererKlar, es hätte schlimmer kommen können. Nach der Pleite der Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde sah es wochenlang so aus, als stehe der Schiffbau in Mecklenburg vor dem Aus. Ohne Investor wäre es dazu gekommen. Unwiderruflich. Dieses Schicksal ist (vorerst) abgewendet. Ein Gewinn für die Küste und deren Selbstwertgefühl. Zu den Gewinnern zählt auch der neue Mann aus Russland. Jussufows Risiko hält sich vorerst in Grenzen: Bis keine neuen Aufträge in den Büchern stehen, bleiben die Werft-Arbeiter in den Transfergesellschaften. Dort erhalten sie Geld vom Insolvenzverwalter, der EU sowie der Bundesagentur für Arbeit — bis zu neun Monate lang. Für den neuen Eigner ein unschätzbarer Vorteil. Sollte die schwedische Reederei Stena die bestellten Fähren doch noch abnehmen, baut sie die Insolvenzverwaltung zu Ende. Wenn dann noch die angekündigten Milliarden-Aufträge aus Russland kommen, hat Jussufow alles richtig gemacht. Insgeheim jubeln dürfte auch die Landesregierung. Sie erhält nicht nur die offenen Kredite in Höhe von 14 Millionen Euro plus Zinsen zurück. Das Land greift auch nach dem Rest der 40,5 Millionen Euro des Kaufpreises. Der wandert nämlich über den Insolvenzverwalter in die Transfergesellschaften. Die ursprünglich dafür veranschlagten 20,5 Millionen kann Finanzministerin Heike Polzin sparen.

Auch die Insolvenzverwaltung freut sich über gute Geschäfte. Ihr gelang nicht nur der Verkauf der Werften. Sie kann im besten Fall auch noch zwei Fähren veräußern.

Hinzu kommt die Verwertung von Wadan-Grundstücken und -immobilien, die Jussufow nicht aus der Konkursmasse gekauft hat. Bis zu 20 Millionen Euro Umsatz, so die Schätzung von Experten, könnte die Hamburger Anwaltskanzlei verbuchen.

Verlieren werden dagegen die vielen kleinen und mittelständischen Subunternehmer, die keine Ausfallversicherung haben. Sie müssen ihre offenen Forderungen abschreiben, auch deshalb, weil sich zuerst das Land schadlos hält. Verlieren wird außerdem der Bund, der für den Bau der schwedischen RoPax-Fähren schon jetzt über 160 Millionen Euro vorgestreckt hat. Sollte Stena den Kaufpreis drücken, darf der Steuerzahler die Zeche zahlen.

Was bleibt, sind die bis zu 1200 Beschäftigten, die auf den Nordic Yards keinen Job finden werden. Sie sind das mahnende schlechte Gewissen für alle, die sich in diesen Tagen auf die Schultern klopfen.

Von JÖRG KÖPKE


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