Eine neue Wirtschaftsstudie sieht MV auf Rang 3 im Dynamikvergleich aller 16 Bundesländer. Weil die Arbeitslosigkeit sank und die Verschuldung zurückging. Beim Einkommen ist das Land Schlusslicht. Berlin (OZ) - Mecklenburg-Vorpommern hat neben Sachsen-Anhalt und Brandenburg einer Studie zufolge überraschend stark bei Wirtschaftskraft und Standortqualität aufgeholt. 20 Jahre nach dem Mauerfall zeige sich, dass alle ostdeutschen Länder und Berlin sich von 2005 bis 2008 dynamisch entwickelten, heißt es in einer Studie, die die arbeitgeberfinanzierte „ Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) gestern in Berlin vorstellte. Danach lag MV beim Abbau der Arbeitslosigkeit sogar auf Platz eins.
INSM-Geschäftsführer Max Höfer hob vor allem den kräftigen Zuwachs beim verarbeitenden Gewerbe im Nordosten hervor. Auch die Beschäftigung legte zwischen 2005 und 2008 um „erfreuliche“ 4,9 Prozent zu. In ganz Deutschland lag das Plus bei gerade mal 0,8 Prozent. Zum Jobaufbau im nördlichen Bundesland trug vor allem das Ernährungsgewerbe mit einem Zuwachs von 5,1 Prozent bei. Bei der Senkung der Arbeitslosenquote in diesem Zeitraum war Mecklenburg-Vorpommern mit einem Rückgang um 6,2 Prozent sogar deutschlandweit Spitze. Im Bundesdurchschnitt sank die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung nur um 3,9 Prozent. Ebenso war die Zahl der Hartz-IV-Empfänger um 0,7 Prozent rückläufig. Und der Anteil der privat Verschuldeten sank um 2,6 Prozent.
Allerdings mussten die Wirtschaftsforscher gestern auch mehrere Tropfen Wermut in den Freudenbecher schütten: Mit einer Arbeitslosenquote von 14,1 für das Jahr 2008 liegt MV deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 7,8 Prozent. Im Monat November, in dem viele Saisonbeschäftigte in Hotellerie und Gastronomie ihre Jobs verloren oder die Werftenkrise voll durchschlug, verzeichnete der Nordosten eine Quote von 12,3 Prozent. Das ist im Deutschlandvergleich nur der vorletzte Platz vor Berlin.
Die Bäume wachsen in MV keineswegs in den Himmel: So machte Hofer darauf aufmerksam, dass das Land im Vergleich der absoluten Wirtschaftsdaten bundesweit lediglich auf Rang 14 einkommt. In der Wirtschaftskraft, den Einkommen, den Innovationen oder der Steuerkraft je Einwohner liegen unangefochten die Südländer Bayern und Baden-Württemberg vorn.
Bei den Pro-Kopf-Einkommen sind die Einwohner von MV mit gerade einmal 15 096 Euro sogar nur Schlusslicht. Zum Vergleich: Jeder Bayer hat mit 20 571 Euro fast ein Viertel mehr. Besorgniserregend auch der Rückgang der Bevölkerung im Nordosten um 2,3 Prozent. Erstmals jedoch, so Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU), gibt es in MV mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Er appellierte an die Unternehmen, etwa im Tourismus, die Beschäftigten ordentlich zu bezahlen, um der Abwanderung entgegenzuwirken.
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