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Interview mit Rostocker IG Metall-Chef Rüdiger Klein - 6. Februar große Kundgebung - WARUM?
29.01.2010 | 12:08 Uhr
Interview mit Rostocker IG Metall-Chef Rüdiger Klein - 6. Februar große Kundgebung - WARUM?WIR SIND WERFT! Am 06. Februar Auftakt zur Kampagne gegen den Untergang der Warnowwerft und Verlust von über 1000 Industriearbeits- und Ausbildungsplätzen. Interview mit dem Rostocker IG Metall-Chef Rüdiger Klein.

Mediadot: Herr Klein, am 6. Februar soll es eine große Kundgebung auf dem neuen Markt geben. Was ist der Grund dafür?

Rüdiger Klein: Es gäbe etliche Gründe für die IG Metall die Bevölkerung angesichts der Situation in unserem Lande wachzurütteln und dazu zu bewegen auf die Strasse zu gehen. Wir sind aber keine Protestpartei sondern Gewerkschaft und deswegen geht es uns nicht in erster Linie darum, am Tag nach der Wahl falsche Wahlentscheidungen und deren Folgen zu reparieren, sondern Interessen von Arbeitnehmerinnen, speziell in der Metallbranche zu vertreten. In diesem speziellen und dramatischen Falle wollen wir wiederholt die Situation der Werftarbeiter der Warnowwerft öffentlich machen und unserer Forderung nach Arbeit und Zukunft für die Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien.

Mediadot: Welche Forderungen sind das?

Rüdiger Klein: Lassen sie mich das bitte länger ausführen:

Jussufow ist am Zuge. Seine Zusagen bis März für neue Aufträge zu sorgen muss er einlösen. Davon ist momentan weder etwas Greifbares zu hören noch zu sehen. Wenn er sich sicher ist das dann etwas kommt wie zugesagt muss er selber dafür sein das die Transfergesellschaft verlängert wird. Diese Aussage fehlt.

Wenn nichts kommt so ist ab jetzt klar dass danach Schluss ist. Für eine solche Situation hat der Gesetzgeber im SGB III vorgesehen, kann bis zu 12 Monaten Kurzarbeit durchgeführt werden. Die Bundesagentur steht dieser Vorschrift nicht im Wege wenn sie dazu von der Transfergesellschaft einen Antrag erhält. Diese muss jedoch vorher wissen ob sie die Remanenzkosten finanzieren kann. Und da liegt das Problem, da sie keinerlei Einnahmen hat und sich nur aus Fluktuationsgewinnen oder Zuschüssen Dritter finanzieren kann. Im Interessenausgleich ist vereinbart worden wie das funktioniert.

Es standen vor dem Verkauf der Werft an Jussufow eine Reihe von Interessenten und auch ernstzunehmende Investitionskonzepte zur Diskussion. Wir haben seinerzeit Jussufow Konzepten eines Werftenkonzerns mit 2 Werften und sich gegenseitig bedingender Synergien, zusätzlich mit russischen Werften, Glauben geschenkt. Wir alle im Gläubigerausschuss vom Vertreter des Landes, der Zulieferer, Banken und Versicherern bis hin zu den Agenturen für Arbeit. Nicht weil wir blauäugig sind sondern weil es für Wismar sonst das „Aus“ bedeutet hätte. Zunächst wollte Jussufow nur Warnemünde. Aus der Vergangenheit haben wir gelernt das Alleingänge allerdings in einer immer weiter ausgedünnten Werftenlandschaft sehr selten Erfolg haben. Zumal der Schritt von der Werftengruppe mit ausschließlich Containerserienschiffen zu Werften, die sich hochflexibel in einem immer enger werdenden Markt bewegen und eigentlich alles bauen können müssen was schwimmt, erst begonnen war. Stena war zum Beispiel ein solches erstes ernst zu nehmendes Projekt in entsprechender Dimension. Und zwar seinerzeit zu mindest die Kosten deckenden Preisen. Da kam die Ankündigung von Jussufow Zugang zum russischen Mark zu haben gerade richtig. Leider blieb es aus meiner Sicht bis heute auch nur eine, wenn man mitbekommt dass er eine nach der anderen Ausschreibung auf diesem Markt verliert und die geplanten Joint Ventures nicht zustande kommen. Weder der Eisbrecher von Ros Mor Port noch das Zusammengehen mit der Admiralitätswerft in Sankt Petersburg ist über das Wunschstadium hinausgekommen. Ich hoffe sehr das ihm wenigstens gelingt den Auftrag für die 4 Beluga-Schiffe an Land zu ziehen. Die Geschichte mit BARD II entwickelt sich meiner Meinung nach auch immer mehr zu einem Geisterschiff, wenn ich das so sagen darf.

Aus heutiger Sicht ist klar das Jussufow weder für die eine noch die andere Werft kurzfristig Beschäftigung organisieren kann. Selbst wenn morgen ein Großauftrag an Land gezogen würde, was ich uns allen wünsche, die Finanzierung der Bauzeit klar wäre und die Tinte unter dem Vertrag trocken, dann braucht es Monate zum durchstarten. Wenn für Warnemünde dann in diesem Konzept auch mehr Platz wäre als das hundert Werftarbeiter von dort nach Wismar zur Arbeit fahren dürften wohl noch länger. An dieser Situation übrigens hat Herr Schuess von der Leissz-Reederei maßgeblichen Anteil durch sein Verhalten zu den von ihm unterzeichneten Schiffbauverträgen für 2 Containerschiffe. Aber diese Analyse hilft uns jetzt allen nichts. Damit wird nur noch deutlicher wie verfahren die Lage gerade ist.

Umso schlimmer als das Jussufow angesichts von Anfragen und konkreten Konzepten interessierter Investoren behauptet, in Warnemünde alles was er gekauft hat zu brauchen, um Gastanker bauen zu können. Mal davon abgesehen dass schon Jürgen Kennemann das wollte und nie alles dafür gebraucht hätte, halte ich diese Position für verantwortungslos. Und zwar weniger aus eigentumsrechtlicher Sicht, obwohl auch das ihn nicht nur moralisch verpflichtet eine Industrieanlage zu besitzen. Sondern auch fachlich, wirtschaftlich, beschäftigungspolitisch und strategisch.

Zum Glück hat man EEW im Seehafen helfen können sich zu erweitern. Auch für Liebherr sind Expansionsmöglichkeiten geschaffen worden. Nun stehen aber weitere Interessenten auf der Matte, wollen ein Stückchen Werft und nicht die Kernwerft Nicht auszudenken sie würden sich nach anderswo orientieren und hier will jemand Gastanker bauen, den ersten vielleicht 2013.Vorher werden sie dann in Korea bei Hyundai, STX oder Samsung als Joint Venture mit der Russischen Vyborg-Werft gebaut. in Lettland oder bei Hegmann oder in Papenburg. Und das Stena weiter gebaut wurde ist nicht Verdienst von Vitalij Jussufow.

Habe ich und der Betriebsrat seit November angeboten dazu Gespräche mit ihm zu führen. Vielleicht haben ja auch wir etwas überhört oder übersehen bei Jussufow’s konzeptionellen Verlautbarungen. Zumal ich als ehemaliger stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender vielleicht ja auch mal Interesse zum Thema „Zukunft der Mitbestimmung“ nach deutschem Recht anmelden darf. Aus heutiger Sicht kann ich nur feststellen dass ein Miteinander von ihm nicht ohne weiteres gewollt ist. Und außerdem ist die IG Metall in Rostock kein Verein der um eine Audienz betteln muss. Also werden wir jetzt unsere Position und Forderung über den Lautsprecher und auf der Strasse verkünden. Eine Interessenvertretung die jedenfalls mit Ruhigsein und Wohlverhalten in die Gunst eines Investors zu fallen glaubt, der nur nein sagt und seine Pressesprecherin nichts sagen lässt, wird es mit mir und meinen Kollegen nicht geben. Das haben wir schon am 17.Dezember so beschlossen. Nicht wegen mir sondern wegen tausender Existenzen in dieser Region die er und andere aufs Spiel setzen.

Wenn Jussufow nichts hat und bis Juli auch nichts bekommt soll er das sagen. Wenn er für Warnemünde nichts hat als auf Gastankeraufträge zu warten soll er das sagen. Wenn er weis das er bei den Banken keinen Vertrauensvorschuss hat für Bauzeitfinanzierungen soll er das sagen. Wenn er es nicht schafft Kraft der Beziehungen seines Vaters Igor bei Gasprom oder anderswo mit russischen Partnern Schiffbauprojekte zur Auslastung beider Werften hinzubekommen soll er das sagen.
Dann sagen wir:“ Du brauchst uns nicht und auch nicht die Warnowwerft. Gib sie zurück oder verkaufe sie. Lass sie nicht vor sich hin sterben und gebe anderen eine Chance damit Besseres anzufangen.“!

Und der Landesregierung und dem Ministerpräsidenten sagen wir: „Die Bundestagswahlen sind vorbei und deine Partei hat sie versiebt. Die Gründe sind bekannt. Einer davon war die soziale Kälte mit der ihr die Agenda 2010 durchgezogen habt. Das haben die Menschen auch nicht vergessen genau so nicht, wie du auf dem Warnemünder Kirchenplatz zu uns gestanden hast und jetzt laut klar machst, dass im März Schluss ist mit den Transfergesellschaften. Weil es der Werft an Zukunft fehlt. Wegen 4 Millionen und ohne den neuen Eigentümer zu fragen was er mal davon halten würden, wenn wir uns zusammensetzen würden, um auch eine Lösung für die Menschen und die Zukunft ihrer Arbeitsplätze auf der Werft zu diskutieren. Bezogen auf die Kommunikation zu diesem Thema gilt das Gleiche übrigens auch für Jürgen Seidel als Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. auch wenn er authentischer rüberkommt und sicher viel in die richtige Richtung denkt. Und verstecken brauchen sich beide längst nicht hinter den Mehrheitsbeschlüssen ihrer Fraktionen dazu. Hatten wir schon.

Ich würde auch mal Alfred Gomolka fragen was ein Verhalten auslöst, wie es aktuell gerade von der Landesregierung vorgetragen wird.

Weil wir anders nicht an Gespräche oder an den runden Tisch kommen werden wir am 06. Februar etwas lauter danach fragen. Der Solidarität der Hansestädter und der Kommunalpolitiker sind wir uns sicher. Das Ulrich Seidel vom Unternehmerverband seine FDP Meinung ganz allein in der Bürgerschaft vertritt damit können wir leben. Auch mit der ständig anderen von. Herr Roolf im Landtag. Leider marschiert aber jetzt auch die SPD Fraktion in eine solche Richtung, die nicht der öffentlichen Meinung entspricht. Das werden wir beweisen.

In der nächsten Woche und auch danach werden wir weiter Unterschriften sammeln. In Rostock auf der Strasse und in den Betrieben und Einrichtungen. und dann später auch bei Mahnwachen weiter westlich in der Landeshauptstadt. Noch tut der Landesvater alles dafür dass wir den Ort für die Mahnwache schon kennen. Und auch für Herrn Jussufow halten wir einiges bereit.

Und wer meint dass das alles nicht ernst genommen werden braucht wird sich im März noch korrigieren, da sind wir Metaller aus Warnemünde und Rostock uns ganz sicher. Wir sind nämlich die Werft.

Mediadot: Vielen Dank für die umfangreiche Antwort. Was können sie dazu sagen dass der IG Metall vorgeworfen wird viel zu spät die schlechten Zeichen der Bedrohung erkannt zu haben und zu kämpfen.

Rüdiger Klein: Wir kennen diese Vorwürfe. Mal ist es zu spät dann zu früh dann ist es die falsche Richtung oder alles zusammen. Die IG Metall kann sich nur bedanken für all die ehrlich gemeinten Ratschläge. Leider ist das nicht die korrekte Adresse. Die IG Metall ist die Organisation. Die Mitglieder sind die IG Metall, vom Funktionär bis zum Mitglied auf der Werft. Sie bestimmen was zu früh oder zu spät und die richtige Richtung ist. Und das ist sie jetzt. Und zwar unsere gemeinsame. Wenn man sich dieser anschließen will, außer von außen nur Ratschläge zu geben, würde mich das freuen. Am 06.02 werden wir das dann sehen.



mediadot


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