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Sorgen bei Hegemann: Steht eine Werft vor dem Aus?
06.02.2010 | 13:54 Uhr
Sorgen bei Hegemann: Steht eine Werft vor dem Aus?Schwerin (OZ) - Wie brenzlig ist die Situation auf den angeschlagenen Hegemann-Werften in Wolgast und Stralsund? Nur eine Woche nach dem überraschenden Rückzug von Chefsanierer Martin Hammer sorgt ein Brief der Werftbelegschaft an Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) für Unruhe und Verunsicherung. Das Schreiben liegt der OZ vor.

Die Belegschaft beruft sich darin auf Zahlen aus der Hegemann-Finanzabteilung. Die Rede ist von bis zu 120 Millionen Euro an zusätzlichen Zinsen und Gebühren, hauptsächlich für Bankkredite, Gutachten sowie den im Dezember installierten Treuhänder, die von Wirtschaftsanwalt Christopher Seagon vertretene Frankfurter Cornelius Treuhand GmbH. Demnach soll Seagon allein für das Aufsetzen eines Vertrages sechs Millionen Euro sowie Seagons Berater Nebenkostenzahlungen von bis zu 7000 Euro am Tag erhalten. „Für uns bedeutet das nichts anderes, als dass weitere Kollegen entlassen werden müssen, die Rede ist von bis zu weiteren 400, und dass eine weitere der beiden bislang verbliebenen Werften auf Dauer zusätzlich geschlossen werden muss“, heißt es in dem Brief.

IG Metall-Sprecher Heiko Messerschmidt bestätigte „Probleme mit den Honoraren“. Zudem sorge Hammers Rücktritt für Verunsicherung. Insider berichten, Hammer habe bei Hegemann aufgrund von Liquiditätsproblemen sowie einem „zu hohen Maß an Risikobereitschaft bei Akquise und Finanzierung möglicher Neubauten“ das Handtuch geworfen. Nach OZ-Informationen soll Hegemann der Reederei Scandlines für den Bau von zwei Fähren einen Stückpreis von unter 90 Millionen Euro angeboten haben — rund zehn Millionen Euro unter den eigenen Kosten. Das Land soll sich deshalb weigern, die restlichen sechs Millionen Euro eines 48-Millionen- Euro-Kredits an Hegemann auszuzahlen. Offenbar zögert auch der Bund, den eigentlich zugesicherten Bürgschaftsrahmen von 326 Millionen Euro bereitzustellen. „Das ist eine Situation, in der wir dort genau hinschauen müssen“, sagte Ministerpräsident Sellering gestern. Linksfraktionschef Helmut Holter zeigte Verständnis für die Sorgen der Belegschaft.

Hegemann äußerte sich dazu nicht. Die Werftengruppe gab lediglich bekannt, mit Dieter Brammertz seit gestern einen neuen Geschäftsführer zu haben. Man habe sich mit der IG Metall auf ein Eckpunktepapier zum Sanierungstarifvertrag geeinigt, das die Gremien allerdings noch absegnen müssten. Die vorhandenen Aufträge sollen nach Angaben einer Hegemann-Sprecherin ein Volumen von 500

Millionen Euro besitzen. Verträge für Neubauten über 450 Millionen Euro seien gezeichnet, dafür fehlten aber noch die Finanzierungszusagen. Bislang war stets von einem Auftragsvolumen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro die Rede.


JÖRG KÖPKE


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