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Nordic-Werften: Sellering greift Banken an
03.05.2010 | 09:17 Uhr
Nordic-Werften: Sellering greift Banken anSchwerin (OZ/gkw) - (OZ/gkw) In der Landesregierung wächst die Sorge über die Zukunft von Nordic Yards in Wismar und Warnemünde nach dem Auslaufen der Transfergesellschaften Ende Juli. Alles hängt am einzigen Neubau-Auftrag, den Werfteigner Witalij Jussufow bisher vorlegen konnte. Das nötige Finanzierungskonzept für den 100-Millionen-Euro-Tanker, den der russische Bergbaukonzern Norilsk Nickel bei Nordic Yards bauen lassen will, gibt es noch immer nicht.

„Ich bin nach wie vor zuversichtlich, aber mir macht Sorgen, dass sich die Entscheidung immer weiter verzögert“, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) der OZ. Er kritisierte die zögerliche Haltung der Banken und forderte mehr Hilfe von der Bundesregierung. Die müsse ihrem „Bekenntnis zum Schiffbaustandort Taten folgen lassen“. Mehr Geld gebe es aber nicht, hatte es bisher aus Berlin geheißen. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) sagte vergangene Woche, er schließe nicht aus, dass die Werften noch einmal in eine ähnlich schwierige Situation geraten wie bei der Insolvenz im Juni 2009.

Die Gespräche mit den Banken laufen weiter, so das Schweriner Wirtschaftsministerium. Dabei hieß es Ende März, als Land und Werfteigner Jussufow die letztmalige Verlängerung der Transfergesellschaften verkündeten, es gehe nur noch um Formalitäten, die in wenigen Tagen geregelt seien. Notfalls würde die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Finanzierung allein stemmen, so Sellering damals. Aber es gibt heute — fünf Wochen später — noch immer kein greifbares Ergebnis. KfW-Sprecherin Dela Strumpf: „Die Banken befinden sich weiterhin in einem konstruktiven Dialog mit Land, Werft und Bund.“ Warum private Banken eine Beteiligung scheuen, schildert ein leitender Manager einer großen Privatbank der OZ: „Bei Nordic Yards gibt es das Problem des letzten Schiffs.“ Die Perspektive des Unternehmens gelte als unklar. Deshalb, so die Befürchtung, würde sich die Werft beim Bau besonders viel Zeit lassen — um möglichst viel Beschäftigung zu halten. Am Ende könnten die Baukosten den Preis übersteigen. Bei einem Minusgeschäft drohe ein Totalausfall der Kreditforderungen. Dieses Risiko mache es äußerst schwierig, eine Finanzierung auf den Weg zu bringen.

Die IG Metall Küste sieht den Werft-Eigner in der Pflicht. „Jussufow muss seine Zusage, mindestens 1200 Arbeitsplätze zu erhalten, einlösen“, fordert Sprecher Heiko Messerschmidt. Schließlich hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der russische Präsident Dimitri Medwedjew den Verkauf der Werften nach der Pleite 2009 an Jussufow persönlich eingefädelt. „Noch höher kann man das nicht aufhängen.“ Auch für die IG Metall steht viel auf dem Spiel. Würden alle 2400 Arbeitsplätze bei Nordic Yards auf einen Schlag wegfallen, schrumpft die Zahl der Jobs in MV, die noch nach Metalltarif bezahlt werden, um ein Drittel.




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