Der
Untersuchungsgegenstand sind die als Arbeiter oder Angestellten
beschäftigten Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie
sowie im Handwerk innerhalb der Grenzen des heutigen Bundeslandes
Mecklenburg-Vorpommern. Zum Verständnis des Stellenwerts
der Metallbranchen sind der Wandel in der sektoralen Verteilung
der Wirtschaft und andere Indikatoren der Wirtschaftsentwicklung
wie die Betriebsgrößen und der Stand der Technik zu
bestimmen und in einen Vergleich mit der Entwicklung im Reich
bzw. im Bund sowie in den benachbarten Küstenregionen, Schleswig-Holstein
und Westpommern, zu setzen. Die Entwicklung der metallverarbeitenden
Wirtschaft an ihren Standorten in den Hafenstädten, aber
auch im Binnenland ist aus den geographischen Bedingungen zu verstehen.
Von entscheidender Bedeutung für den Strukturwandel in der
Metallindustrie erscheint aber ebenso der Einfluss der Wirtschaftspolitik
in den beiden Mecklenburg im Kaiserreich und in der Zwischenkriegszeit,
der Industriepolitik Preussens, der Rüstungswirtschaft im
„Dritten Reich“ und der staatlichen Industrieplanung
in der SBZ und DDR, schließlich auch der Wirtschaftsförderung
und Strukturpolitik seit 1990. Das Augenmerk ist außerdem
auf das Agieren von wirtschaftlichen Interessengruppen und für
die jüngste Vergangenheit und Gegenwart auf die supranationalen
Beschlüsse der Europäischen Union zu richten, um das
Investitionsverhalten in der Metallindustrie zu verstehen, von
denen die Beschäftigten mittelbar, oft unmittelbar betroffen
waren und sind. Diese zur Erklärung der Geschichte der Arbeiterbewegung
heranzuziehenden polit-ökonomischen Rahmenbedingungen sollen
allerdings als auch von den Arbeitnehmern und ihren Gewerkschaften
mitbeeinflusst betrachtet werden.
Die Konstituierung und der Wandel in der Zusammensetzung der Arbeiterklasse
im mecklenburgisch-vorpommerschen Raum soll als Ergebnis sozialer
und regionaler Mobilität interpretiert werden. Zu denken
ist hier an die Proletarisierung von weit ins 19. Jahrhundert
hinein unter halbfeudalen Verhältnissen lebenden Teilen der
Landbevölkerung ebenso wie an die Wanderungsbewegungen während
der Industrialisierungsphase insbesondere innerhalb der überdurchschnittlich
mobilen Berufsgruppe der Werftarbeiter. Auch zum Verständnis
der Einstellungen und des Verhaltens der Belegschaften in den
Wismarer, Rostocker und Neubrandenburger Luftrüstungsbetrieben
im Nationalsozialismus erscheint die Erstellung eines sozialen
Profils der Arbeitnehmerschaft als wesentlich. Dies gilt nicht
zuletzt auch für die Rekrutierung der Arbeitskräfte
für die Schiffbauindustrie der DDR, d.h. Werftarbeiter aus
Stettin und Danzig, aber auch berufsfremde Umsiedler. Für
das Gesellschaftsbild der Arbeiter wie auch deren Selbstbewusstsein
prägend können die alltäglichen Arbeitserfahrungen
und das Leben vor und nach der Arbeit angenommen werden. Die Arbeitsbedingungen
und –leistungen, das Einkommensniveau, das Alltagsleben
der Metallarbeiter sind daher vor dem Hintergrund wirtschaftlichen
Strukturwandels, konjunktureller Schwankungen und politischer
sowie kultureller Einflüsse nachzuzeichnen. |