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Durchgeknallt
Das Kraftfahrzeughandwerk ist in Mecklenburg-Vorpommern ein Wirtschaftsfaktor. Fast 10.000 Arbeitsplätze in Autohäusern und Werkstätten. Gnadenloser Wettbewerb um Käufer und Kunden. Viele Innungsbetriebe, aber auch freie Werkstätten. Insgesamt stolze 600 von Ahlbeck bis Boizenburg. Ein Gewerbeverband als tariffähiger Verein nach dem deutschen Tarifvertragsgesetz. Ein Flächentarifvertrag mit der IG Metall. Nicht hundert Prozent Westbedingungen, aber trotzdem immer ein Gemecker im Verband.
 
Stadt, Land, große Stadt, kleine Stadt, östliche Region, westliche Region, zu dicht an Hamburg, zu dicht an Stettin, eigentlich passte es nie. Einigen sowieso nicht. Sie scherten sich einen Dreck um ihre gesetzliche Pflicht zur Einhaltung von Verträgen. Insbesondere die kleinen waren immer wieder die „Bösen“ in den Innungen und Verbänden. Im letzten Jahr wurde der Vertrag noch mal „gekittet“. Wie, ist eigentlich aus heutiger Sicht so genau nicht mehr nachzuvollziehen. Vielleicht hatten die „Großen“ sich durchgesetzt. Vielleicht die Spitzenbetriebe mit dem Stern, dem Blitz oder der Pflaume oder die Vernunft oder die Sorge um einen noch ruinöseren Verdrängungswettbewerb mit Lohn- und Rabattdumping.
 
Aber dieses mal war schon vor Auslaufen des Tarifvertrages Schluss mit lustig. Der IG Metall einen Brief geschrieben - mit uns nicht mehr - und tschüss. Endlich frei vom „Tarifdiktat“. Wie diese Freiheit doch genossen wurde. Gerade bei den Großen. Das Autohaus Pfohe in Schwerin lässt durch den Geschäftsführer per Mitarbeiterbrief mitteilen, dass er von der Einsicht ausgeht, dass 40 Stunden Wochenarbeitszeit sowieso besser bei den Beschäftigten ankommen, als die tarifliche Regelung. Sie wirkt nach dem Gesetz nämlich nach.
 
Im Autohaus Krüll in Rostock ging das noch besser. Dort wurde eine freiwillige Initiativbewegung organisiert. Jeder Mitarbeiter durfte seinen freiwilligen Nachtrag zum Anstellungsvertrag selber ändern. Auf 40 Wochenstunden. Demnächst ist sogar geplant, dass die Beschäftigten ihr Grundgehalt selber variieren dürfen. In einen fixen Teil von 70 % und einen Leistungsteil von 30 %.
 
Nun wollen wir abwarten, was demnächst anderswo passiert. Vielleicht ein Urlaubs- und Weihnachtsbonus der Mitarbeiter/innen an das Autohaus, wenn doch das tarifliche Urlaubs- und Weihnachtsgeld schon durch den Arbeitgeber einbehalten wird. Oder Urlaub nur noch an Sonn- und Feiertagen? Das ist Wettbewerb!!!! Bis der letzte auch da angekommen ist und die Spirale von neuem gedreht wird. Immerhin lässt das bundesdeutsche Arbeitszeitgesetz ja auch 48 Wochenstunden zu. Und dann der Wettbewerb - wer soll da anders mithalten?
hier geht es weiter
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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