SACKTANNEN - "Durch diese Kooperation sind etwa 500 Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern sicherer geworden", sagte gestern Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph im Prysmian Kabelwerk Schwerin anlässlich der Auslieferung der ersten Trommeln mit Spezialkabel für ein neues Steinkohle-Kraftwerk bei Rotterdam. Das Schweriner Kabelwerk hat von dem Rostocker Elektrotechnik-Unternehmen SEAR den Fünf-Millionen-Euro-Auftrag zur Produktion von mehreren Tausend Kilometer Spezialkabel erhalten.
Für den Bau des 1100 Megawatt-Steinkohlekraftwerks "Maasvlakte Power Plant 3" bei Rotterdam werden insgesamt etwa 1,2 Milliarden Euro investiert. Neben Steinkohle soll dort auch Biomasse verbrannt werden. Das Kraftwerk soll etwa sieben Prozent des Energiebedarfs in den Niederlanden decken.
Allein 50 Millionen Euro kostet die elektrotechnische Ausstattung, die SEAR Rostock ausführen wird. Die Firma wird dabei etwa 190 Spezialisten einsetzen. Für den Bau des Kraftwerkes werden insgesamt 140 Kilometer Kabeltrassen, 440 Kilometer Rohr- und Kanalsysteme, 2000 Kilometer Kabel und etwa 19 000 Leuchten benötigt.
Den Auftrag für die elektrotechnische Ausstattung des Kraftwerks hat die SEAR GmbH von E.ON Benelux auch erhalten, weil die Partner aus dem Schweriner Werk mit Innovationen und Qualität aufwarten. So werden für den Kraftwerksneubau auch halogenfreie Kabel eingesetzt, erklärte der Prysmian-Werksleiter Hans-Dietmar Fenske. Diese speziell ummantelten Leitungen würden im Falle eines Brandes weniger gefährliche Gase entstehen lassen als herkömmliche PVC-Kabel. Die Innovation sei vom Schweriner Unternehmen auf den Markt gebracht worden. In Deutschland war Prysmian der erste Hersteller, der bis auf wenige Ausnahmen bei Spezialleitungen bleifrei produziert, also auf hochgiftige Bleistabilisatoren verzichtet hat. Tausende von Patentanmeldungen des Konzerns in den vergangenen Jahren unterstreichen die Innovationskraft eines der führenden Kabelhersteller der Welt.
Das vor 50 Jahren gegründete Kabelwerk in Schwerin ist mit derzeit 320 Beschäftigten größter von weltweit 55 Standorten der Prysmian-Gruppe (Mailand/Italien). Wie Fenske weiter sagte, laufen in Schwerin jährlich etwa 80 000 Tonnen Kabel und Leitungen in 1500 unterschiedlichen Typen und Stärken für Industrie, Energieversorger und Großhandel vom Band.
80 000 Tonnen Kabel und Leitungen haben eine Länge von etwa 200 000 Kilometern. Das würde ausreichen, um das Kabel fünf mal um die Erde zu legen.
Die Kooperation des Werks in Schwerin und der SEAR Rostock beim Kraftwerksbau ist nach Worten von Stefan Rudolph "lehrbuchreif". "Die Unternehmen machen das vor, was ich von der Industrie im Land erwarte", erklärte er. Dank solcher Zusammenschlüsse könnten Firmen in Mecklenburg-Vorpommern mehr internationale Aufträge erhalten und sich etwa auch für den Bau der geplanten Fehmarn-Belt-Querung ins Gespräch bringen.
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